Das TRABI Diskussionsforum ARCHIV


Suche:
Seite: 1 2 3 4 5 « Vorherige Seite | Nächste Seite »
Autor Thema: Der Dativ ist DEM Genitiv sein Tod...Stilblüten...
pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


warum ist "gib" richtig und "geb" falsch? weil es im duden steht? der duden ist nur eine schriftliche bestandsaufnahme der mündlichen sprache, und daß er irgendeine art von instanz sein soll, die entscheidet, was korrekt ist und was nicht, haben sich politiker ausgedacht, aber keine sprachwissenschaftler.

ich backte einen kuchen. ist nach aktuellem empfinden korrekt.
ich buk einen kuchen. ist nach aktuellem empfinden korrekt.
gib mir den kuchen. ist ebenfalls korrekt.
geb mir den kuchen. soll abgrundtief häßlich falsch sein, nur warum? ist doch eine eindeutige und unverwechselbare, jedermann verständliche unmißverständliche sprachliche formulierung, und sie ist dazu noch einfacher als die ursprüngliche form.

noch vor 100 jahren haben die leute ähnliche diskussionen vom sprachverfall geführt, als "ich bin so groß als wie du" langsam ersetzt worden ist von "ich bin so groß wie du". nur ein beispiel von tausenden ...

cha sheas an uair mar a tha i. time will change

das moss

Beiträge: 7.651
Registriert am: 20.03.2001


von der Sache her ist das ja richtig..... aber im Unterricht klammert man sich bei der Bewertungskriterien ob richtig oder falsch nun mal an den Duden.

Und wenn jemand dafür nicht mittels Note abgestraft werden will, muß er sich an den vorgegeben Weg halten.
Und dann ist das eben falsch..... also immer schön mündlich früher und schriftlich heute trennen......

Früher gab es übrigens eine erklecklich höhere Zahl Analphabeten.....

[Bearbeitet von das moss (09-06-2008 - 10:44)]

pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


der einwand ist schon korrekt, wobei das schriftliche heute (in seinem enormen ausmaß) sogar eher zur konservierung alter formen beiträgt, eben wegen der festgeschriebenen normen (SO ists richtig und SO ists falsch). die anzahl analphabeten ist dabei relativ egal, sprache ist von sich aus etwas mündliches, das man notdürftig in ein schriftliches korsett pressen kann, das aber eigentlich nicht geschrieben werden braucht. von daher ists eine nette zusatzleistung, zu schreiben, aber eben nicht nötig (für das konzept sprache - fürs tägliche leben in einer modernen umgebung natürlich schon!).
das moss

Beiträge: 7.651
Registriert am: 20.03.2001


wie gut, das wir hier fernmündlich agieren können

Sprache war ja auch erst mit schriftlicher Darstellung zu konservieren..... und wenn ich mich richtig erinnere, war das mehr oder minder 7-9 Jhd.

Fay_von_kleinestinker

Beiträge: 1.774
Registriert am: 14.10.2002


Ehrlich?! MICH stört es tierisch, wenn ich erst ewig überlegen muß, was der Mensch mir nun mitteilen möchte wenn er schonmal "gebledert" hat...
Da ist es deutlich einfacher, wenn man sich auf EINE Niederschrift geeinigt hat (oder auf diese geeinigt wurde ).


gebledert - geblättert

Sachsenring601

Beiträge: 803
Registriert am: 17.12.2004


Umgangssprachliche Unkorrektheiten werden im Allgemeinen toleriert und auch akzeptiert. Auch Dialekte sollten in gewisser Weise gepflegt werden, schließlich sind Dialekte von wissenschaftlicher Bedeutung und lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung der Sprache in den verschiedenen Regionen zu. Außerdem geht das strikte Hochdeutsch nicht immer leicht über unsere Zunge!
Aber in der schriftlichen Form muß ganz einfach die Standartsprache zur Anwendung kommen!


U_N_Bekannt

Beiträge: 1.307
Registriert am: 15.10.2004


Wenns wirklich korrekt sein soll, dann doch bitte die Standardsprache!
Deluxe

Beiträge: 14.007
Registriert am: 13.12.2001


Einer der meistgelesenen Fehler im Trabant-Forenbereich...und das, obwohl man in jeder Userliste nachschauen kann...
pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


noch so ein beispiel, dank auslautverhärtung spricht man ein -t am ende, soll aber ein -d schreiben. vermutlich wird aber auch diese anomalie mit der zeit verschwinden

@sachsenring und genau diese standardsprache entwickelt sich ja auch weiter. waz reht iz in mîn ouge wôl / daz jehent ih / sit ih des waz gewâr.

@moss fürs deutsche stimmt das, es gibt eine schriftliche überlieferungslücke zwischen dem ende der römischen herrschaft und der merowingerzeit.

das moss

Beiträge: 7.651
Registriert am: 20.03.2001


dazu kommt ja noch die Differenzierung bezüglicher der Vermeidung von (sowiso vorhandener) Doppeldeutigkeit....

Und ich spreche den Laut sehr wohl weich.....

Und machen wir uns nichts vor, im Rahmen der zunehmenden Kommunikation ist eine genaue Schreibweise die, die eben keine Mißverständnisse generiert.

Wohl dir Standartenfüher!

Oh, ein neues Standardisierungsverfahren.

Die Ausstattung überzeugt mit einem hohen Standard.

standard

Beiträge: 19.357
Registriert am: 26.01.2002


- Und das, obwohl der >StandarD<, welcher den genannten User-Namen inspirierte, bekanntlich eher mager ausgestattet ist...
wilhelminus

Beiträge: 1.980
Registriert am: 28.06.2004


... wie war das mit "ebend!"
pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


"ebend" wirds irgendwann auch geben, da wette ich drauf wie ein Hedgefond auf Getreidepreise
Zoni

Beiträge: 3.538
Registriert am: 15.11.1999


heisst es nun:

"HInter gehen" oder "nach hinten gehen" ?

oder "zur Arbeit gehen" oder "auf Arbeit gehen" ?

pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


also nach aktueller Norm "nach hinten gehen" und "zur Arbeit gehen". Das andere sind regionale Varianten, von denen "auf Arbeit" vermutlich kaum als Fehler angestrichen werden würde, "hinter gehen" jedoch mit Sicherheit.
Deluxe

Beiträge: 14.007
Registriert am: 13.12.2001


Das ist so wie "an Weihnachten" und "zu Weihnachten"...oder AUFwaschen und ABwaschen...

Hier geht es wohl doch mehr ins "Dialektische" sozusagen.

pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


Dialekte nicht, Regiolekte sind das an bzw. zu Weihnachten ist hochsprachlich beides okay, aufwaschen ist wieder regional, abwaschen wäre die gesamthochdeutsch korrekte Bezeichnung
standard

Beiträge: 19.357
Registriert am: 26.01.2002


- Und die letztenendes auch eigentlich sinvollere! Denn: man wäscht ja den Dreck vom Geschirr AB, und nicht AUF...
Andererseits heißt es ja landläufig sehr oft: in einem AUFwasch. - Ist eben alles relativ...

[Bearbeitet von standard (11-06-2008 - 19:12)]

Schumi

Beiträge: 3.544
Registriert am: 08.11.2004


Mir ging neulich durch den Kopf, wie schwierig es doch für Ausländer immer wieder sein muss, die deutsche Sprache zu erlernen. Gerade bei dem Stichwort "nach Oma gehen".

Beispiel: Wohin willst du?

- nach Berlin
- nach hause (Hause - da bin ich mir wiederum unsicher...)
- zur Oma
- zum Treffen
- ins Kloster
- in die Garage

Wann benutzt man nun welche Form? Für den, der nicht damit aufgewachsen ist, schwierig, meine ich.

Um nochmal auf folgendes zurückzukommen:

quote:
Google verdeutlicht es: Man findet immerhin ca. 19.600.000 Einträge mit "gebe"! Hingegen trotzdem ca. 29.000.000 Einträge mit "gib".

Die Häufigkeit von "gebe" in der Suche mag vielleicht auch daran liegen, dass es heißt "ich gebe". Google verdeutlicht in dieser Hinsicht also wenig

P.S. Was mir gerade noch einfällt:

Paar - Pärchen
Saal - Säle

Warum nicht "Päärchen" und "Sääle"? Wäre doch nur logisch und im Zuge der letzten so genannten "Rechtschreibreform" änderbar gewesen (auch wenns dämlich aussieht).

Genauso wurde die Gemse zur Gämse (weil sie angeblich mit der Gams verwandt ist) und der Stengel zum Stängel (wegen der Stange), die Eltern bleiben aber die Eltern, obwohl sie ja eigentlich älter sind als ihre Kinder. Ältern (auch wenns blöd aussieht) wäre doch da der nächste logische Schritt gewesen. Für mich einfach nur ein Beweis für die Willkür, Inkonsequenz und Unlogik der "Reform".

[Bearbeitet von Schumi (12-06-2008 - 11:36)]

trabantini

Beiträge: 383
Registriert am: 21.09.2002


Denke aber so'ne Verwirrspielchen gibt's in jeder Sprache:

must -> soll
have to -> muss
must not -> darf nicht

So 'ne Dinger muss man halt lernen, da sie nicht herzuleiten gehen. Aber hast schon recht, ich möchte jedenfalls nicht Deutsch als Fremdsprache haben müssen. Daher hab ich Respekt vor jedem, der Deutsch spricht - auch wenn's nur gebrochen ist.

Ein Kumpel von mir ist kein in D geborener. Er spricht gutes Deutsch mit krassem Akzent. Aber ist in Sachen Rechtschreibung/Grammatik besser als jeder Deutsche den ich kenne.

Schumi

Beiträge: 3.544
Registriert am: 08.11.2004


quote:
Aber ist in Sachen Rechtschreibung/Grammatik besser als jeder Deutsche den ich kenne.

Weil er eben von vornherein eine klar geregelte "Schulsprache" ohne regionale bzw. elternhäusliche Einfärbungen/Verwaschungen gelernt hat. Und weil beim ihm vermutlich der Wille, die Sprache zu lernen auch wirklich vorhanden war/ist.

pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


Trotzdem eine sehr gute Leistung, eine Fremdsprache, die man im Erwachsenenalter lernt, grammatikalisch fehlerfrei hinzubekommen.

@Schumi

"nach" bezeichet eine Richtung auf einen Ort
"zu" bezeichnet eine Richtung auf eine Person hin (muß keine körperliche sein, auch Markennamen etc. können so gelten)
"in" bezeichnet eine Richtung in etwas Begehbares, ein Gebäude etwa

will damit nur sagen, es gibt ein gewisses, wenn auch unvollständiges, Regelsystem dahinter.

Pärchen und Säle, weil das "ä" in zweisilbigen Substantiven im Singular immer ein Langvokal ist

Stange und Stengel hätte man lassen können, das ist ein einfacher Ablaut. Genau wie Bogen, Bug, biegen, bücken, beugen alles vom gleichen idg. Grundwort abstammt z.B.

quote:
Willkür, Inkonsequenz und Unlogik der "Reform"

Ja da hast Du vollkommen recht, man hätte sehr viel weiter gehen können (oder es gleich sein lassen).

[Bearbeitet von pwb601 (12-06-2008 - 16:40)]

wolfi

Beiträge: 290
Registriert am: 31.07.2007


Was das Erlernen der deutschen Sprache angeht, muss man noch differenzieren zwischen Ausländern, die eine indogermanische oder indoeuropäische Muttersprache haben (Engländer, Italiener, Russen) und anderen.
Meine ungarische Partnerin ist manchmal fast am Verzweifeln wegen der total anderen Logik des Deutschen, aber ich habe genau die entsprechenden Probleme.
Warum sagt man "zu dem" und wann "in dem" bzw. "in den" und "des", das lösen die Ungarn ganz anders. Witzig ist es auch, dass es im Ungarischen nur ein Wort gibt für er, sie, es = "ö", analog der, die, das = "a"
601 Uncrowned

Beiträge: 4.632
Registriert am: 23.12.2003


Dafür haben sie aber auch gefühlte 12 verschiedene Ö-Töne

Ein Freund von uns (Student, der von ganz weit her kommt) hat neulich auf dem S-Bahnsteig nachgehakt, warum dort "nach den Vororten" und nicht "in die Vororte" steht. Es handelte sich um einen alten Reklameausschnitt aus dem Berliner S-Bahn-Museum. Damals fuhr man eben noch "nach den Vororten" ins Grüne ... Und man grüßte aus der Sommerfrische

[Bearbeitet von 601 Uncrowned (12-06-2008 - 17:50)]

pwb601

Beiträge: 3.903
Registriert am: 07.10.2001


Stimmt. Hab ich beim Gälischen auch gemerkt, andere Logik und deswegen zum Beispiel völlig andere Satzkonstruktionen und Denkmuster (es gibt z.B. keine konkreten Wörter für haben oder besitzen) (keine 100%-Garantie auf Korrektheit, ich habs nie richtig gelernt, sondern mehr "in der Praxis erfahren"):

Tha sinn uile ag iarraidh beer eile. Sind wir alle am-Wünschen Bier anderes. (Wir wollen alle noch ein Bier)

Tha gaol agam ort. Ist Liebe auf-mir zu-dir. (Ich liebe Dich)

Cò leis an càr seo? Wer mit-das Auto dies? (Wem gehört das Auto hier?)

Is leamsa! Ist bei-mir-selbst! (Mir!)

Chan eil Beurla agam. Nicht ist Englisch auf-mir. (Ich kann kein Englisch.)

Is toigh leam thu. Ist Mögen bei-mir Du. (Ich mag Dich)

Tha dòtair a th'ann. Ist Doktor daß ist-in-mir (Ich bin ein Doktor. Zugegeben könnte man das auch anders ausdrücken glaub ich)

Dafür gibts z.B. nur 11 unregelmäßige Verben

wolfi

Beiträge: 290
Registriert am: 31.07.2007


Im ungarischen gibt es dafür Wörter für die Existenz bzw. Nicht-Existenz. Also konkret:
"Van" kann heißen ich habe oder ich bin oder es gibt...
"Nincs" (gesprochen nintsch) heisst ich habe kein (Auto) oder es gibt kein (Bier) usw.
601 Uncrowned

Beiträge: 4.632
Registriert am: 23.12.2003


Ich habe lange überlegt, ob ich es nicht doch in den "gefunden im Netz"-Thread stelle, aber hier passt es doch besser ... hart, wirklich hart. Ich muss vermuten, dass Maik Mantel es ernst meint. Aber seht selbst:

http://berlin.kijiji.de/c-Stellengesuche-Bau-Handwerk-Produktion-Suche-Dringend-Arbeit-W0QQAdIdZ54029469

trabiheizer

Beiträge: 561
Registriert am: 18.04.2005


Schulbildung: Baumschule !!!
Schumi

Beiträge: 3.544
Registriert am: 08.11.2004


Traurig dabei ist, dass potenzielle Arbeitgeber in einigen Fällen nicht viel intelligenter sind. Bis vor ein paar Wochen hing im Schaufenster eines Bäckerladens ein Zettel mit der Aufschrift:

"Suchen Lehrling zum Ausbilden als Bäcker/in" (oder so ähnlich) - autsch!

601 Uncrowned

Beiträge: 4.632
Registriert am: 23.12.2003


Besser wäre:
"Suchen Lehrling zum Ausbilden als Bäcker/in oder so ähnlich."
Seite: 1 2 3 4 5 « Vorherige Seite | Nächste Seite »

Springe zu:

Impressum | Datenschutz